Spiritualität  

Die überwiegende Mehrheit der Menschen in Zentralladakh und Zanskar sind Buddhisten. 

Die buddhistische Philosophie wurde vor über 2000 Jahren aus dem damals buddhistischen Indien in den Himalaya gebracht, wo sie tiefe Wurzeln geschlagen hat. Die Lebensweise der Menschen ist bis heute von dieser Lehre geprägt. In Ladakh gehören die Mönche in ihren weinroten Roben zum alltäglichen Bild des Landes, seit Jahrhunderten ist es Brauch, dass ein Sohn der Familie im Kloster lebt. 

Diese eindrucksvollen Klosteranlagen sind faszinierend und zugleich verwirrend: Darstellungen ungezählter Gottheiten, die sich auf den ersten Blick ähneln, bei genauem Hinsehen aber doch verschieden sind. 

Tantrische Gottheiten nehmen übernatürliche Formen an, haben oft mehrere Köpfe, Arme, Beine und können sich friedlichen oder zornvollen Aspekten manifestieren. Der Höhepunkt solcher Vervielfältigungen ist der 11-köpfige und 1000-armige Avalokiteshvara und die 1000-köpfige, -armige und -füßige Form der Weißen Tara mit den 1000 Augen des Mitgefühls.

Vor der Zeit Buddhas praktizierten die Menschen in Ladakh die sogenannte Bön-Religion. Als Jäger und Sammler glaubten sie an eine beseelte Natur, in der Bäume, Steine, Berge und Seen von Geistwesen bewohnt wurden. Nach dieser Vorstellung ist der gesamte Kosmos ein geordnetes System von Kräften, die nach einem vorgegebenen Plan wirken

Bis heute ist das Leben der Ladakhis von diesem Volksglauben geprägt. Es gibt keinen Abschnitt im Leben der Ladakhis, der nicht von Geistwesen beschützt wird, und bekanntlich versetzt der Glaube ja Berge. Der Aberglaube, sagte schon Goethe, ist die Poesie des Lebens. So betrachtet, ist Ladakh gewiss eine der poetischsten Gegenden der Erde.